9.-10.Juni 2010 / Geistliches Zentrum Bursfelde

„Gestaltete Auszeiten im Rahmen von Führungskräftecoaching“

Mi., 9.Juni / vormittags
Thema:     „Not-wendigkeit von Balance und Rhythmus für die Hochengagierten“
Referent:     Henning Dobers
Ort:    Geistliches Zentrum Bursfelde als ein Bspl. für mögliche Orte der Rekreation, Ruhe und Einkehr. Auszeiten benötigen ein bestimmtes zum Caochingnehmer passendes setting, damit sie gelingen.  Eine Mischung aus Entschleunigung, (geistlichen) Impulsen, Natur, Einsamkeit und Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung.
Zum Nachdenken: „Denn sie tun nicht, was sie wissen…“
So Vieles im Leben ist uns theoretisch oder aufgrund unserer Lebenserfahrung eigentlich klar. Und doch…
Einstieg: „Gönne dich dir selbst“ – Brief von Bernhard von Clairvaux an seinen früheren Mönch und damaligen Papst Eugen III im Jahr 1140. Ein 850 Jahre alter Brief an einen Hochengagierten, der den Kontakt zu sich selbst und seiner Berufung verloren hatte.  D.h.: Es scheint also eine ständige Grundversuchung für die Hochengagierten zu sein, sich selbst zu verausgaben, über die eigenen Kräfte zu leben  und damit am Ende nicht nur sich selbst sondern auch der Umwelt zu schaden.  Letztlich geht es um die Frage des Maßhaltens und der (An)Erkenntnis unseres begrenzten Menschseins. Wer nicht mehr genießen kann wird irgendwann ungenießbar. Wer sich selbst nicht mehr spürt, achtet auch nicht mehr auf die anderen. Wir wissen das alles, und doch: „Denn sie tun nicht, was sie wissen…“
Deshalb:  Wer auch morgen noch mit Freude, Energie und Einfluss leben und führen will, wer im Laufe seines Lebens nicht bitter, zynisch, hart, unerreichbar werden will, der braucht eine Kultur bzw. Disziplin der Selbstführung. Innere Haltungen bewirken ein äußeres Ver-halten.
Biblischer Impuls: „Bewahre mein Sohn dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben“  (Sprüche 423)

1.    Regelmäßige Pflege erhöht die Lebensdauer
Alles, was nicht gepflegt wird, nutz sich ab, verschleißt oder geht ganz kaputt. Das wartungsfreie Material ist noch nicht erfunden worden. Das bezieht sich auf unser gesamtes Leben, nicht nur auf Dinge und Sachen. Wir pflegen unser outfit und vieles andere. Gibt es ein Wort für unser „infit“? Die Bibel spricht vom „Herz“. Wann und wie pflegen wir unser Inneres?  Das, woraus unser Leben quillt?

2.    Gesunder Rhythmus schafft Balance
Unser Leben ist rhythmisch angelegt (d.h.: ständige Wellenbewegungen, immerwährender Dialog: Tag – Nacht  / Aktion – Kontemplation / ora et labora / Mann – Frau / Töne – Pausen / Alltag – Feiertag bzw. Sonntag / Wachsein – Schlafen / Sitzen – Bewegen usw.). Wer seinen Rhythmus findet, findet seine Seele.  Um dies zu leben, bedarf es der Selbstdisziplin.
3.    Heilsame Rituale erneuern die Lebensenergie / Freude
Es geht bei Auszeiten –egal ob im Alltag oder speziell über ein Wochenende – nicht nur um Erholung sondern um Auftanken (d.h.: um Auffüllen des „Kraft“stoffs). Ohne „Sprit“ fährt kein Fahrzeug. Ohne spirit / Geist vertrocknet die Seele, schrumpft das Herz. Wer tanken will, muss anhalten bzw. Pause machen. Das gelingt und ist not-wendig immer wieder zwischendurch im Alltag, aber eben auch besonders gut an bewusst geplanten Wochenenden oder Tagen der Oase.  Wichtig ist hier der Ortswechsel und eine Unterbrechung meines gewohnten Tuns.  Rituale sind so etwas wie „Gesundheitserreger“ im Leben.  Ein Ritual ist eine heilsame Unterbrechung.
Kennzeichen eines Rituals …

  • Regelmäßig
  • Feste Zeit
  • Klarer Beginn / klares Ende
  • Fester Ablauf
  • Körperliche Beteiligung
  • Fester Ort

Wem das Wort „fest“ nicht behagt, der mag es ersetzen durch „bestimmt“ oder „gesetzt“ o.Ä. Nicht wir tragen die Rituale, sondern Rituale entlasten und tragen uns.  Lebendige Rituale werden immer wieder behutsam und angemessen an die jeweilige Lebenssituation angepasst. Nicht ich diene den Ritualen, sondern die Rituale dienen mir.

Mi., 9.Juni / nachmittags
Das  Thema naturpädagogisch bearbeitet: Meditativ angeleitete Wanderung entlang eines Bachlaufs.
Der Strom des Lebens
Der Bachlauf als Symbol für meinen Lebenslauf
1.    Jeder Bach ist und verläuft einmalig…: kann ich das dankbar annehmen, oder muss ich mich vergleichen mit anderen „Bachläufen“ und „Strömen“? Kann ich mein Leben dankbar –mit seinen Chancen und innerhalb meiner Grenzen empfangen? Kann ich mich freuen an dem, was ist?

2.    Bewässerung… am Bachufer stehen Bäume und andere Pflanzen, Tiere kommen zum Trinken… Der Bach bewirkt, dass andere von ihm leben können und erfrischt werden. Lebenswasser. Helfe ich anderen, ihr volles Potential zu schöpfen? Wem diene ich?

3.    Zapfstellen… Wer zapft bei mir Wasser ab? Kommt genug nach? Reichen die Ressourcen?

4.    Widerstände… Der Wasserfluss wird immer wieder ausgebremst… Aber dann sucht es sich seinen Weg daran vorbei, darüber hinweg, darunter hindurch. Was sind Widerstände in meinem Leben? Was bewirken Widerstände im Blick auf mein Lebenstempo, Lebensfreude, Lebensenergie? Was bremst mich aus? Wie reagiere ich darauf? Wie will ich darauf reagieren? Was sind die Chancen von Schwierigkeiten und Widerständen?
5.    Engpässe… wenn es eng wird, erhöht sich die Fließgeschwindigkeit. Es gibt Zeiten mit hohem Lebenstempo, vollem Terminkalender, hohen Anforderungen. Wie verhalte ich mich, wenn es eng wird? Das deutsche Wort „Angst“ kommt von „Enge“. Wenn es eng wird, entwickelt der Bach kraftvolle Energie und Fließgeschwindigkeit, aber auch Nervosität. Wie verhalte ich mich unter Druck?

6.    Abzweigungen… der Bach zweigt in einen kleinen, ruhigen Teich ab und fließt dann weiter. Symbol für die Spannung zwischen Ruhe und Bewegung. Stille Wasser sind tief. Wir sehen bis auf den Grund. Manches Aufgewirbelte klärt sich. Wie verhalten sich bei mir „Mitgerissenwerden“ (vom Strom des Alltags) und Besinnung, Aktion und Kontemplation, Alltag und Sonntag?

7.    Seiten- und Nebenarme:…. Der Bach verzweigt sich an manchen Stellen, findet wieder zusammen oder versiegt. Manchmal fahre ich „zwei- oder dreigleisig“…. Gibt es neben dem Hauptstrom noch andere Flussarme bei mir? Wie viele Nebenströme kann ich bilden, ohne zu vertrocknen, ohne mich zu „verlieren“? Wo habe ich mich verzettelt? Auf wie vielen Hochzeiten „tanze“ ich?

8.    Einflüsse… der Bach empfängt in seinem Verlauf sehr unterschiedliche Einflüsse, die ihn bestimmen. Mal erkennbar, mal ganz verborgen. Große Einflüsse, dünne Rinnsaale, ständig fließende oder auch versiegende Einflüsse. Welche Einflüsse gibt es bei mir? Gefällt mir das? Was beeinflusst mich? Aus welchen Einflüssen lebe ich? Was prägt mich bzw. hat mich geprägt? Wem erlaube ich, mich zu prägen?

9.    Eindruck… der Bach hinterlässt Spuren – immer und überall, er verändert die Landschaft…  In seinem Unterlauf neigt er dazu, zu „mäandern“, ein Delta entsteht. Der Strom mündet schließlich im großen Meer. Welchen „Eindruck“ hinterlasse ich? Was bewirke ich in meinem Umfeld? Wohin bin ich unterwegs?

10.    Quelle… der Bach wird gespeist von einer Quelle, die nicht versiegt. Alles Leben kommt aus dem Wasser. Ich finde mich selbst vor. Aus welcher Quelle erhalte ich meine Lebensenergie? Wo komme ich her? Welche Quelle speist meinen Bachlauf? Was gibt mir letztlich Leben, Zuversicht, Hoffnung, Sinn? Ist der Kontakt zur Quelle vorhanden oder verschüttet / gestört? Kann sie ungehindert fließen und mein Bachbett mit lebendigem Wasser füllen?

Protokoll: Henning Dobers